Lachyoga – das Lachen ernst nehmen (I)

Das Lachen scheint ein natürlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu sein. Wenn Menschen uns zum Lachen bringen, fühlen wir uns wohl in ihrer Gegenwart.
Sobald wir lachen, verbessert sich unsere Stimmung. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt jedoch, dass wir das Lachen nicht ernst nehmen sollen. Und obwohl wir hier im Westen in einer so disziplinierten Welt leben, liegt es uns fern, das Lachen als Disziplin zu betreiben.
Offensichtlich sind mit dem Lachen nicht nur positive Gefühle verbunden, sondern auch eine ganze Reihe an Vorurteilen und Widerständen. In diesem Blog-Artikel möchte ich über die Auslöser und Auswirkungen des Lachens berichten – und über die Frage, warum uns das Lachen manchmal schwer fällt.

Wann lachen wir – und warum eigentlich?
fragezeichenAuslöser für das Lachen sind in der Regel witzige Situationen – solche die wir erleben oder solche von denen uns erzählt wird. Das Witze-Erzählen hat sich dadurch entwickelt und hat bis heute seine Beliebtheit nicht verloren.
Interessanterweise gibt es Hinweise aus der Forschung darauf, das die inhaltliche Qualität eines Witzes oder einer Erzählung nicht der Hauptauslöser für das Lachen ist. Mindestens so wichtig ist die soziale Erwartungshaltung, die durch die anderen Zuhörer aufgebaut wird: Blitzschnell analysieren wir, ob die anderen gleich lachen werden und von mir erwarten, dass ich auch lache. Lache ich mit ihnen, gehöre ich dazu. Lache ich nicht mit, gehöre ich nicht dazu. Lache ich, wenn die anderen nicht lachen, gehöre ich auch nicht dazu. Frei nach dem Prinzip „Geteilte Freude ist doppelte Freude“ lässt sich sagen: Gemeinsam lacht es sich schöner.

Lachen kann jeder – oder nicht? Ein Exkurs über Kognition und Spiegelneuronen
Was passiert denn eigentlich, wenn ich auf dem Schlauch stehe und den Witz nicht verstehe? Oder wenn ich überhaupt nicht einschätzen kann, ob das Lachen gerade angebracht ist? Lache ich einfach gar nicht? Oder lache ich, weil die anderen Lachen – obwohl ich nichts verstanden habe? Ein komisches* Gefühl bleibt übrig. *(im Sinne von seltsam…)
Offensichtlich benötigen wir zum „Witze-Lachen“ kognitive Fähigkeiten und Empathie.
Unsere Kognition hilft uns, die Logik hinter dem Witz zu verstehen. Außerdem analysieren wir mit ihrer Hilfe, ob das Lachen über den Witz in unserer Umgebung angemessen ist. Und die sogenannten Spiegelneuronen (Nervenzellen) zeigen uns „im Spiegel“, was die anderen gerade fühlen, so dass wir die Gesamtsituation effektiv einschätzen können.

Der Lach-Moderator
bitte_lachenNicht nur die anderen Zuhörer „moderieren“ unser Lachen. Der Komiker auf der Bühne zeigt uns mit Mimik, Gestik und seinem eigenen Lachen, dass gerade etwas Witziges dargestellt (erzählt) wird. Gucken wir uns das Ganze im Fernsehen an, fällt möglicherweise auf, dass auch das Publikum wie auf Kommando zu bestimmten Zeiten lacht oder Beifall klatscht. Die blinkenden Beifall-Schilder vor dem Publikum lassen auch weniger witzige Showeinlagen im Fernsehen gut aussehen. Das „Konservenlachen“ in den amerikanischen Soaps hat die gleiche Funktion.

Lachen erwünscht? Nicht immer – wenn Lachen zur Störung wird
stoerungWenn wir uns mit Menschen treffen, sagt schon die Art der Veranstaltung etwas über das Lachen aus: In Comedy-Shows, beim Zirkusclown oder auf einer Geburtstagsfeier gilt für den Lachdampfer: volle Kraft voraus!
Auf einer Beerdigung, in einem ernsten Business-Meeting oder wenn die beste Freundin erzählt, dass ihr Partner sich gerade von ihr getrennt hat, ist das Lachen offensichtlich weniger angebracht.
Dieser Umstand scheint so wichtig zu sein, dass Psychologen einen Fachbegriff für die „Störung“ entwickelt haben, wenn wir unsere Lach-Reaktion nicht im Griff haben. Die einfache Version nennt sich „Pathologisches Lachen“. Die Betroffenen lachen regelmäßig, aber unkontrolliert (ohne erkennbaren Grund) – in voller Intensität. Bei der „Parathymie“ kann das „falsche Lachen“ sogar im Kontext einer Geisteskrankheit gedeutet werden:

„Bei der Parathymie (affektive Inadäquatheit) handelt es sich um eine Störung bei der Äußerung von Gemütserregungen. Sie äußert sich durch ein Missverhältnis zwischen dem gegenwärtigen inneren Erleben und dem äußeren Gefühlsausdruck (z. B. Lachen und Heiterkeit auf einer Beerdigung). Diese Störung des Gefühls- und Gemütslebens gehört nach Eugen Bleuler zu den fünf grundsätzlichen Symptomen der Schizophrenie.“ (Wikipedia)

Scheinbar gibt es eine klar definierte Erwartungshaltung, wann unser Lachen akzeptabel ist, und wann es Ausdruck einer „Störung“ sein kann.

Lachen ist gesund – die Funktionen des Lachens
lachdialogWas passiert eigentlich beim Lachen? Auf körperliche Ebene lassen sich zwei wichtige Funktionen benennen: Die Sauerstoffzufuhr wird verstärkt und der Körper schüttet Endorphine (unsere „Glückshormone“) aus.
Beim Lachen atmen wir aus – und zwar länger als bei der gewöhnlichen Atmung. Die darauf folgende Einatmung dauert automatisch ebenfalls länger. Wir vergrößern auf diese Weise unser aktiv genutztes Atemvolumen und nehmen folglich mehr Sauerstoff auf. Der Sauerstoff gehört zu den wichtigsten „Bausteinen“ unserer Zellen. Viele der gesundheitlichen Vorteile des Lachens basieren daher auf der verstärkten Sauerstoffversorgung in den Zellen. Das gilt übrigens auch für die Asanas beim Yoga: Durch die Körperübungen wird die Durchblutung in den einzelnen Körperregionen verstärkt. Weil das Blut u.a. den Sauerstoff in die Zellen transportiert, erfolgt auch hier eine bessere Sauerstoffversorgung.
Durch das Lachen werden Endorphine ausgeschüttet. Diese heben innerhalb kurzer Zeit unsere Stimmung. Mit einer fröhlichen Stimmung ist es schwierig an einer Sorge oder an Stress erzeugenden Gedanken festzuhalten. Das Lachen sorgt somit für einen aktiven Stressabbau.

Auf der sozialen Ebene lassen sich weitere interessante Auswirkungen des Lachens beobachten: Zu Beginn dieses Artikels schrieb ich, dass wir uns in der Gegenwart von Menschen, die uns zum Lachen bringen, wohl fühlen. Dies gilt auch für Menschen, mit denen wir gemeinsam lachen. Das gemeinsame Lachen schafft eine viel stärkere emotionale Verbindung, als ein sachliches Kennenlerngespräch zum Beispiel.
Das macht auch „lernpsychologisch“ Sinn: Wir erinnern uns am besten an Lerninhalte, die wir mit einer Emotion wie beispielsweise Begeisterung oder Freude gekoppelt haben. Somit erinnern wir uns natürlich auch an die Begegnungen mit den Menschen am besten, die bei uns eine Emotion ausgelöst haben. In diesem Sinne lässt sich zusammenfassen: Lachen verbindet – Synapsen, Emotionen und Menschen…

Die Botschaft des Lachens
lachgesichter„Man kann nicht nicht kommunizieren!“ lautet eine der zentralen Thesen des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick. Wir kommunizieren also immer: durch Sprechen, Schweigen und Lachen. Wenn lachen verbindet, findet offensichtlich auch hier eine Kommunikation statt. Es ist eine körpersprachliche Kommunikation, die durch ihre „gelachten“ Laute auch Aspekte der verbalen Kommunikation hat.
Es lohnt sich also zu fragen, was wir eigentlich ausdrücken (wollen), wenn wir lachen.
Man denkt natürlich zuerst an Heiterkeit und Freude.

Die Palette an Gefühlen fängt hier allerdings erst an: Was ist mit dem nervösen, scheuen oder schüchternen Lachen? Was ist mit dem sarkastisch-verbittertem Lachen? Was hat es mit dem Auslachen an sich? Was ist mit dem hysterischen Lachen? Und was ist mit denen, die so eigenartig lachen, dass wir nicht wissen, ob sie Freude oder Traurigkeit ausdrücken, ob sie lachen oder weinen? Irgendwo dazwischen findet sich auch noch das gekünstelte Lachen.

Und was hat es mit der Intensität des Lachens auf sich? Die Palette reicht hier vom Lächeln und leise Kichern über lautes Lachen und brüllendem Schenkelklopfer bis hin zum Lachkrampf, bei dem man mit Tränen in den Augen sich am Boden windet und sich vielleicht sogar kurz fragt, ob sich schon mal jemand totgelacht hat… (Das ist übrigens meines Wissens noch nicht passiert 🙂 )
Die „Übersetzung“ dieser vielen Arten des Lachens sei jedem selbst überlassen. Grundsätzlich wird deutlich, dass das Lachen ein Ausdruck von vielen verschieden Emotionen und inneren Haltungen (z.B. Sarkasmus) sein kann. Das Lachen dient also als emotionales Ventil.
Neben dem Ausdruck von Gefühlen vermitteln wir auch soziale – also auf die Mitmenschen bezogene – Botschaften: Ich will dazu gehören. Ich gehöre dazu. Ich teile deine (eure) Meinung. Ich mag dich.
Innerhalb einer Gruppe, die sich Witze erzählen, kommt meistens das Prinzip „lachen verbindet“ zum tragen. Die Schattenseite dieser Witze besteht aber oft auch aus der Ausgrenzung: egal, ob ich mich über den Nachbarn, die Ostfriesen oder die Blondinen lustig mache – andere Personen und Gruppen werden oft ausgegrenzt beim Witze erzählen. Im Extremfall werden bestimmte Menschen bewusst lächerlich gemacht und ausgelacht. Spätestens hier sollte ich mir als Mitlacher bewusst überlegen, welche Botschaft und innere Haltung ich den anderen gegenüber zum Ausdruck bringen will.

Das Lachen ernst nehmen
Mit diesem Artikel möchte ich das Bewusstsein für die vielen Aspekte des Lachens schärfen.
Da wir im Alltag nur selten mehrere Minuten am Stück lachen, macht man sich für gewöhnlich nicht viele Gedanken darüber. Beim Lachyoga steht das ausgiebige Lachen im Vordergrund, daher eignet es sich gut dafür, das Lachen unter die Lupe zu nehmen.
Im zweiten Teil dieses Artikels beschreibe ich die klassischen Reaktionen, wenn ich mit den Menschen über Lachyoga spreche. Und wie man sich fühlt, wenn man Lachyoga mitmacht. Abschließend beschreibe ich, welche Vorteile es hat, wenn wir das Lachen ernst nehmen – in dem wir das Lachen und die Heiterkeit auch mal als „Disziplin“ betreiben.

Autor: Michael Stork www.lachseele.de


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Weitere Bilder:  johny_deff, geralt, Gellinger, TawnyNina @pixabay.com

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Kategorien: Lachyoga

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